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Verträge nach einem Todesfall kündigen: Fristen, Unterlagen, Muster

Nach einem Todesfall liegen Rechnungen und Vertragspost oft wochenlang im Briefkasten. Die meisten Verträge enden nicht von selbst, sie gehen auf die Erben über. Hier siehst du, welche Verträge automatisch enden, wo es ein Sonderkündigungsrecht gibt und welche Frist sonst gilt. Stand der Rechtslage: 24.09.2026.

Warum Verträge nach dem Tod weiterlaufen

§ 1922 Abs. 1 BGB regelt die Gesamtrechtsnachfolge: „Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über.“ Dazu gehören auch laufende Verträge mit ihren Pflichten. Der Stromvertrag, das Handy und das Zeitungsabo laufen also weiter, und die Beiträge werden weiter abgebucht, solange das Konto nicht gesperrt ist.

Automatisch enden nur Verträge, die an die Person gebunden sind. Zwei Beispiele stehen ausdrücklich im Gesetz: Die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung endet mit dem Tod (§ 190 Abs. 1 SGB V), und die Vereinsmitgliedschaft ist „nicht übertragbar und nicht vererblich“ (§ 38 BGB). Melden solltest du beides trotzdem, sonst laufen Lastschriften weiter.

Fristen nach Vertragsart im Überblick

Die Tabelle trennt drei Fälle: Der Vertrag endet von selbst, es gibt ein Sonderkündigungsrecht, oder es gilt die normale Frist. Wo das Gesetz schweigt und Anbieter aus Kulanz früher lösen, steht das dabei.

VertragWas mit dem Tod passiertSonderkündigungFrist
MietwohnungEhe- oder Lebenspartner im Haushalt tritt ein (§ 563 BGB), sonst geht der Vertrag auf die Erben über (§ 564 BGB)ja, binnen 1 Monat nach Kenntnisgesetzliche Frist, knapp 3 Monate (§ 573d Abs. 2 BGB)
Garage, Gewerberaumgeht auf die Erben überja, binnen 1 Monat nach Kenntnis (§ 580 BGB)gesetzliche Frist
Strom und Gas, Grundversorgunggeht auf die Erben übernicht nötig2 Wochen (§ 20 Abs. 1 StromGVV, GasGVV)
Strom und Gas, Sondervertraggeht auf die Erben übernicht im Gesetz geregeltlaut Vertrag; die Verbraucherzentrale nennt 2 Wochen als Richtwert
Handy, Festnetz, Internetgeht auf die Erben übernicht im Gesetz, Anbieter lösen meist gegen Sterbeurkundesonst nach der Mindestlaufzeit 1 Monat (§ 56 Abs. 3 TKG)
Fitnessstudiogeht auf die Erben überaußerordentliche Kündigung, laut Verbraucherzentrale möglichsonst höchstens 1 Monat nach der Erstlaufzeit (§ 309 Nr. 9 BGB)
Streaming, Zeitung, Online-Abogeht auf die Erben überkein Sonderrechtlaut Vertrag, meist zum Monatsende
Gesetzliche Krankenversicherungendet mit dem Tod (§ 190 SGB V)entfälltentfällt, Kasse informieren
Private Krankenversicherungendet für den VersicherungsnehmerMitversicherte können binnen 2 Monaten fortsetzen (§ 207 VVG)entfällt
Kfz-Versicherunggeht mit dem Auto auf die Erben überbeim Verkauf: Käufer kann binnen 1 Monat kündigen (§ 96 Abs. 2 VVG)sonst laut Vertrag, meist zum 31.12.
Hausrat, Wohngebäudeendet, sobald das versicherte Interesse wegfällt (Wohnung aufgelöst, Haus verkauft)nicht nötigVersicherer mit Datum informieren
Vereinendet mit dem Tod (§ 38 BGB)entfälltentfällt, Verein informieren
RundfunkbeitragBeitragskonto ist nicht übertragbarAbmeldung mit Sterbeurkundeentfällt

Quellen: Gesetzestexte auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 24.09.2026; Verbraucherzentrale Brandenburg, „Haushaltsauflösung: Verträge eines Verstorbenen richtig kündigen“, Stand 19.09.2025, verbraucherzentrale-brandenburg.de, abgerufen am 24.09.2026.

Mietwohnung: Sonderkündigung binnen eines Monats

Die Wohnung ist meist der teuerste Vertrag, und hier läuft die knappste Frist. Zuerst kommt es darauf an, wer noch in der Wohnung lebt. Hat der Ehe- oder Lebenspartner mit dem Verstorbenen einen gemeinsamen Haushalt geführt, tritt er automatisch in den Mietvertrag ein (§ 563 Abs. 1 BGB). Will er das nicht, muss er es dem Vermieter innerhalb eines Monats nach Kenntnis vom Tod erklären (§ 563 Abs. 3 BGB).

Lebte niemand sonst in der Wohnung, geht der Vertrag auf die Erben über. Dann dürfen Erben und Vermieter nach § 564 BGB „innerhalb eines Monats außerordentlich mit der gesetzlichen Frist kündigen“, nachdem sie vom Tod erfahren haben und feststeht, dass niemand eintritt. Die gesetzliche Frist steht in § 573d Abs. 2 BGB: Kündigung bis zum dritten Werktag eines Monats, Ende mit Ablauf des übernächsten Monats.

Beispiel, konstruiert: Der Mieter stirbt am 12.10.2026, die Tochter als Alleinerbin erfährt es am selben Tag. Ihre Monatsfrist für die Sonderkündigung läuft bis 12.11.2026. Kommt die Kündigung am Montag, 02.11.2026, beim Vermieter an, endet das Mietverhältnis am 31.01.2027. Wer die Monatsfrist verpasst, ist an die Kündigungsfrist aus dem Vertrag gebunden, bei einem Zeitmietvertrag womöglich an das vereinbarte Ende.

Für Garagen, Stellplätze und Gewerberäume gilt dieselbe Monatsfrist nach § 580 BGB.

Strom, Gas, Handy: kein Paragraf, aber meist kurzer Weg

Für Energie und Telefon kennt das Gesetz kein eigenes Kündigungsrecht im Todesfall. Die Grundversorgung ist ohnehin mit zwei Wochen Frist kündbar (§ 20 Abs. 1 StromGVV). Beim Sondervertrag gilt, was im Vertrag steht. Gib dem Versorger die Zählerstände vom Tag der Wohnungsübergabe und deine Anschrift für die Schlussrechnung.

Beim Handy- oder Internetvertrag schreibt die Verbraucherzentrale Brandenburg (Stand 19.09.2025), dass sich die Verträge unter Vorlage einer Kopie der Sterbeurkunde kündigen lassen und viele Anbieter die Leistungen kurzfristig einstellen. Sag im Schreiben ausdrücklich, dass du den Vertrag nicht übernehmen willst. Lehnt der Anbieter ab, gilt nach der Mindestlaufzeit ein Monat Frist (§ 56 Abs. 3 TKG). Prüfe, ob ein Router oder ein Receiver zurückgeschickt werden muss.

Online-Abos wie Streaming kündigst du am schnellsten über den Kündigungsbutton, den Anbieter mit Online-Abschluss seit Juli 2022 anbieten müssen (§ 312k BGB). Dafür brauchst du allerdings den Zugang zum Konto. Hast du ihn nicht, schreib an die Kündigungsadresse und leg die Sterbeurkunde bei.

Versicherungen: manche enden, manche gehen über

Lebens-, Sterbegeld- und Unfallversicherungen sind jetzt Leistungsfälle. Hier zählt nicht die Kündigung, sondern die Meldung: Die Verbraucherzentrale Brandenburg nennt für den Unfalltod 48 Stunden und für Lebens- und Sterbegeldversicherungen „in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen“. Schau in die Unterlagen, ob eine solche Police existiert, bevor du etwas kündigst.

Die Kfz-Versicherung hängt am Auto. Solange das Auto im Nachlass ist, läuft sie auf die Erben weiter. Verkaufst du es, geht der Vertrag auf den Käufer über, und der kann ihn innerhalb eines Monats nach dem Erwerb kündigen (§ 96 Abs. 2 VVG). Hausrat- und Wohngebäudeversicherung enden, wenn das Versicherte wegfällt, also mit der Wohnungsauflösung oder dem Verkauf. Teile dem Versicherer das Datum schriftlich mit.

In der privaten Krankenversicherung endet der Vertrag für den Verstorbenen. Mitversicherte Angehörige können ihn nach § 207 Abs. 1 VVG binnen zwei Monaten fortsetzen, wenn sie einen neuen Versicherungsnehmer benennen.

Welche Unterlagen du brauchst

Gibt es mehrere Erben, können sie über Nachlassgegenstände nur gemeinschaftlich verfügen (§ 2040 Abs. 1 BGB). Beim Mietvertrag unterschreiben deshalb alle, oder einer handelt mit schriftlicher Vollmacht der anderen.

Überlegst du, das Erbe auszuschlagen, hast du dafür in der Regel sechs Wochen ab Kenntnis (§ 1944 BGB). Lass dich in diesem Fall beraten, bevor du Verträge im eigenen Namen als Erbe kündigst.

Musterschreiben für die Kündigung im Todesfall

Das Schreiben braucht keine lange Begründung. Nenne den Todesfall, deine Rolle und das gewünschte Ende. Ersetze die Angaben in eckigen Klammern.

[Dein Vor- und Nachname]
[Straße Hausnummer]
[PLZ Ort]

An
[Anbieter]
[Anschrift oder E-Mail-Adresse für Kündigungen]

Kündigung wegen Todesfall
Vertragsinhaber: [Name der verstorbenen Person], geb. [Geburtsdatum]
Kundennummer: [Kundennummer]
Vertragsnummer: [Vertragsnummer, falls vorhanden]

Sehr geehrte Damen und Herren,

[Name der verstorbenen Person] ist am [Sterbedatum] verstorben. Als [Erbe/Erbin | Bevollmächtigte/r] kündige ich den oben genannten Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt, bevorzugt mit sofortiger Wirkung. Eine Übernahme des Vertrags ist nicht gewünscht.

Eine Kopie der Sterbeurkunde liegt bei.

Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung und das Vertragsende schriftlich und senden Sie eine Schlussrechnung an die oben genannte Anschrift. Bitte buchen Sie keine weiteren Beträge vom Konto der verstorbenen Person ab.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]
[Datum]

„Zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ sorgt dafür, dass die Kündigung wirksam bleibt, auch wenn der Anbieter die sofortige Beendigung ablehnt. Beim Mietvertrag schreibst du statt dessen „außerordentlich nach § 564 BGB zum [Datum]“.

Reihenfolge in den ersten Wochen

  1. Leistungsfälle melden: Lebens-, Sterbegeld- und Unfallversicherung in den ersten Tagen.
  2. Wohnung klären: Wer tritt ein, wer kündigt? Die Monatsfrist nach § 564 BGB läuft ab Kenntnis.
  3. Kontoauszüge durchgehen: Jede Lastschrift ist ein Vertrag, den du kündigen oder übernehmen musst.
  4. Laufende Verträge kündigen: Handy, Internet, Abos, Studio, Zeitung.
  5. Abmelden: Rundfunkbeitrag, Krankenkasse, Verein, bei Wohnungsauflösung Strom, Gas und Hausrat.

Häufige Fragen zu Verträgen im Todesfall

Enden Verträge automatisch mit dem Tod?

Die meisten nicht. Nach § 1922 BGB gehen sie mit dem übrigen Vermögen auf die Erben über. Automatisch enden nur Verträge, die an die Person gebunden sind, etwa die gesetzliche Krankenversicherung (§ 190 SGB V) und die Mitgliedschaft im Verein (§ 38 BGB).

Wie schnell muss ich die Wohnung eines Verstorbenen kündigen?

Erben haben ein Sonderkündigungsrecht nach § 564 BGB. Die Kündigung muss innerhalb eines Monats erklärt werden, nachdem du vom Tod erfahren hast und feststeht, dass niemand aus dem Haushalt den Mietvertrag fortsetzt. Danach gilt die gesetzliche Frist von knapp drei Monaten.

Gibt es beim Handyvertrag ein Sonderkündigungsrecht im Todesfall?

Im Telekommunikationsgesetz steht keins. Laut Verbraucherzentrale Brandenburg (Stand 19.09.2025) lassen sich Mobilfunk- und Festnetzverträge aber mit einer Kopie der Sterbeurkunde kündigen, viele Anbieter stellen die Leistung kurzfristig ein. Sonst gilt nach der Mindestlaufzeit ein Monat Frist (§ 56 Abs. 3 TKG).

Brauche ich einen Erbschein, um Verträge zu kündigen?

Meist reicht die Sterbeurkunde. Banken dürfen einen Erbschein nicht per AGB zwingend verlangen, ein notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll genügt ebenfalls (BGH, Urteil vom 08.10.2013, XI ZR 401/12).

Muss ich den Rundfunkbeitrag eines Verstorbenen abmelden?

Ja. Der Beitragsservice braucht eine Abmeldung und eine Kopie der Sterbeurkunde, das geht online (rundfunkbeitrag.de, Sterbefall, abgerufen am 24.09.2026). Wohnt noch jemand in der Wohnung, muss diese Person die Wohnung neu anmelden.

Wer muss die Kündigung unterschreiben, wenn es mehrere Erben gibt?

Über Nachlassgegenstände können Miterben nur gemeinschaftlich verfügen (§ 2040 Abs. 1 BGB). Beim Mietvertrag sollten deshalb alle Erben unterschreiben oder einer mit schriftlicher Vollmacht der anderen handeln.

Für einen einzelnen Anbieter findest du Anschrift und Sonderregeln in der Übersicht: Anbieter kündigen. Ein fertiges Kündigungsschreiben zum Ausfüllen erstellt der Kündigungsschreiben-Generator, die allgemeinen Fristen stehen im Ratgeber Kündigungsfrist berechnen.

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Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei Fragen zur Erbschaft oder Ausschlagung hilft ein Notar oder eine Fachanwältin für Erbrecht.