Kündigungsfrist berechnen – welche Frist gilt für deinen Vertrag?
Die meisten Kündigungen scheitern nicht am Schreiben, sondern am Datum. Wer einen Tag zu spät kündigt, zahlt oft einen weiteren Monat, bei manchen Verträgen ein ganzes Jahr. Hier findest du die Fristen für die häufigsten Vertragsarten, die Rechenregel und drei Beispiele. Du brauchst dafür kein Konto.
Kündigungsfristen nach Vertragsart
Die Tabelle zeigt, was bei Verbraucherverträgen üblich oder gesetzlich vorgegeben ist. Was in deinem Vertrag steht, geht vor, solange es für dich nicht schlechter ist als das Gesetz erlaubt.
| Vertragsart | Mindestlaufzeit | Frist zum Ende der Mindestlaufzeit | Nach der Mindestlaufzeit |
|---|---|---|---|
| Handyvertrag | höchstens 24 Monate | laut Vertrag, meist 1 Monat | jederzeit mit 1 Monat Frist kündbar |
| Internet / DSL / Kabel | höchstens 24 Monate | laut Vertrag, meist 1 Monat | jederzeit mit 1 Monat Frist kündbar |
| Strom und Gas, Sondervertrag | laut Vertrag, oft 12 oder 24 Monate | laut Vertrag | monatlich kündbar, wenn nach März 2022 geschlossen |
| Strom und Gas, Grundversorgung | keine | – | jederzeit mit 2 Wochen Frist kündbar |
| Fitnessstudio | höchstens 24 Monate | höchstens 1 Monat (Verträge ab März 2022) | jederzeit mit 1 Monat Frist kündbar |
| Streaming (Netflix, Spotify, Disney+ …) | meist keine | – | meist zum Ende des bezahlten Monats |
| Kfz-Versicherung | meist 1 Jahr, oft bis 31.12. | meist 1 Monat, also bis 30.11. | verlängert sich jeweils um 1 Jahr |
Die Anbieterseiten nennen, was bei einzelnen Unternehmen gilt, samt Anschrift. Du findest sie in der Übersicht: Anbieter kündigen.
So berechnest du den letzten Kündigungstag
Für jede Frist brauchst du zwei Angaben: das Datum, zu dem der Vertrag enden soll, und die Länge der Frist. Den Rest erledigen drei Schritte.
- Enddatum finden. Die Mindestlaufzeit beginnt meist mit der Freischaltung oder dem ersten Trainingstag, nicht mit der Unterschrift. Das genaue Datum steht auf der ersten Rechnung, im Kundenportal oder in der Vertragsbestätigung.
- Frist zurückrechnen. Bei „1 Monat zum Laufzeitende“ ziehst du vom Enddatum einen Monat ab. Endet der Vertrag am 31.10., muss die Kündigung spätestens am 30.09. da sein.
- Zugang einplanen. Entscheidend ist der Tag, an dem die Kündigung beim Anbieter ankommt, nicht der Tag, an dem du sie abschickst. Ein Brief braucht ein bis drei Werktage. Per Kündigungsbutton, E-Mail oder Kundenportal kommt sie am selben Tag an. Plane trotzdem eine Woche Puffer ein.
Läuft der Vertrag schon unbefristet weiter, gibt es kein festes Enddatum. Dann rechnest du vorwärts: Die Frist beginnt an dem Tag, an dem deine Kündigung ankommt, und der Vertrag endet einen Monat später.
Drei Beispiele durchgerechnet
Handyvertrag in der Mindestlaufzeit. Freigeschaltet am 15.01.2025, 24 Monate Laufzeit, 1 Monat Frist. Die Mindestlaufzeit endet am 14.01.2027. Die Kündigung muss spätestens am 14.12.2026 beim Anbieter sein. Kommt sie später an, läuft der Vertrag weiter, ist dann aber mit einem Monat Frist kündbar. Du zahlst höchstens einen Monat mehr, nicht ein Jahr.
Internetvertrag nach der Mindestlaufzeit. Der Vertrag läuft seit Jahren. Deine Kündigung geht am 20.09.2026 per Kündigungsbutton ein. Der Vertrag endet mit Ablauf des 20.10.2026. Ein Monatsende musst du nicht abwarten, außer dein Vertrag regelt das für dich günstiger.
Kfz-Versicherung zum Jahreswechsel. Versicherungsjahr bis 31.12.2026, 1 Monat Frist. Die Kündigung muss spätestens am 30.11.2026 beim Versicherer sein. Deshalb ist der 30. November der bekannte Wechseltermin. Verpasst du ihn, bleibt dir nur ein Sonderkündigungsrecht, zum Beispiel nach einer Beitragserhöhung.
Was die Frist verlängert, verkürzt oder aushebelt
- Vertragsdatum vor März 2022: Ältere Verträge durften sich stillschweigend um bis zu ein Jahr verlängern, mit bis zu drei Monaten Frist. Für Handy- und Internetverträge gilt die monatliche Kündbarkeit nach der Mindestlaufzeit schon seit Dezember 2021.
- Preiserhöhung: Erhöht der Anbieter den Preis, hast du meist ein Sonderkündigungsrecht, unabhängig von der normalen Frist. Die Mitteilung nennt, bis wann du widersprechen oder kündigen kannst.
- Umzug: Kann der Internetanbieter am neuen Wohnort nicht liefern, kannst du mit einem Monat Frist kündigen. Beim Fitnessstudio hilft ein Umzug nur, wenn kein zumutbares Studio in der Nähe ist.
- Wichtiger Grund: Bei dauerhaft mangelhafter Leistung trotz Beschwerde kann eine außerordentliche Kündigung ohne Frist möglich sein. Halte Mängel schriftlich fest.
- Fehlender Kündigungsbutton: Wurde der Vertrag online abgeschlossen, muss der Anbieter seit Juli 2022 einen Kündigungsbutton anbieten. Fehlt er, kannst du jederzeit fristlos kündigen.
Hast du die Frist schon verpasst, zeigt dir der Ratgeber Kündigungsfrist verpasst – was tun? die nächsten Schritte.
Musterkündigung zum Kopieren
Die Kündigung braucht keine Begründung. Eine E-Mail oder ein Brief genügt, eine Unterschrift auf Papier darf der Anbieter bei Verbraucherverträgen nicht verlangen. Ersetze die Angaben in eckigen Klammern.
[Vor- und Nachname] [Straße Hausnummer] [PLZ Ort] An [Anbieter] [Anschrift oder E-Mail-Adresse für Kündigungen] Kündigung meines Vertrags Kundennummer: [Kundennummer] Vertragsnummer: [Vertragsnummer, falls vorhanden] Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich den oben genannten Vertrag fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung schriftlich und nennen Sie mir dabei das genaue Vertragsende. Einer Nutzung meiner Daten für Werbezwecke und Rückgewinnungsanrufen widerspreche ich. Mit freundlichen Grüßen [Name] [Datum]
„Zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ schützt dich vor einem Rechenfehler: Liegt dein Datum einen Tag zu spät, gilt die Kündigung eben zum nächsten Termin und ist trotzdem wirksam. Hebe den Versandnachweis oder die Eingangsbestätigung auf.
Häufige Fragen zur Kündigungsfrist
Wie berechne ich meine Kündigungsfrist?
Nimm das Datum, zu dem der Vertrag enden soll, und zieh die Frist davon ab. Endet der Vertrag am 31.10. und die Frist ist ein Monat, muss die Kündigung bis 30.09. beim Anbieter sein. Läuft der Vertrag schon unbefristet, rechnest du vorwärts: Eingang der Kündigung plus ein Monat.
Welche gesetzliche Kündigungsfrist gilt für Verträge?
Eine einheitliche gibt es nicht. Bei Handy-, Internet- und Fitnessverträgen ist die Mindestlaufzeit auf 24 Monate begrenzt. Danach sind sie mit einem Monat Frist kündbar. Versicherungen laufen meist ein Jahr und haben eine Frist zwischen einem und drei Monaten.
Welche Kündigungsfrist hat ein Handyvertrag?
In der Mindestlaufzeit gilt die Frist aus deinem Vertrag, meist ein Monat zum Laufzeitende. Die Mindestlaufzeit darf höchstens 24 Monate betragen. Danach kannst du jederzeit mit einem Monat Frist kündigen.
Welche Kündigungsfrist hat ein Internetvertrag?
Dieselbe wie ein Handyvertrag: höchstens 24 Monate Mindestlaufzeit, danach jederzeit mit einem Monat Frist kündbar. Ziehst du um und der Anbieter kann am neuen Ort nicht liefern, kannst du ebenfalls mit einem Monat Frist kündigen.
Bis wann muss ich die Kfz-Versicherung kündigen?
Die meisten Kfz-Versicherungen laufen bis 31.12. und haben einen Monat Frist. Die Kündigung muss dann spätestens am 30.11. beim Versicherer sein. Nach einer Beitragserhöhung oder einem Schadensfall kannst du auch außerhalb dieses Termins kündigen.
Welche Kündigungsfrist hat ein Fitnessstudio wie FitX?
Für Verträge ab März 2022 gilt: höchstens 24 Monate Erstlaufzeit, höchstens ein Monat Frist zum Laufzeitende, danach monatlich kündbar. Ältere Verträge können sich noch um bis zu zwölf Monate verlängert haben. Die Details zu FitX stehen auf der FitX-Kündigungsseite.
Zählt das Absendedatum oder der Eingang beim Anbieter?
Der Eingang. Die Kündigung muss innerhalb der Frist beim Anbieter ankommen. Ein Brief am letzten Tag ist zu spät. Kündigungsbutton, Kundenportal oder E-Mail kommen sofort an, heb die Eingangsbestätigung auf.
Was passiert, wenn ich die Frist knapp verpasse?
Bei Verträgen ab März 2022 meist wenig: Der Vertrag läuft weiter, ist aber mit einem Monat Frist kündbar. Schreibst du „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“, bleibt die Kündigung wirksam und gilt zum nächsten Termin. Nur bei Versicherungen verlängert sich der Vertrag in der Regel um ein ganzes Jahr.
Muss ich eine Kündigung unterschreiben oder per Einschreiben schicken?
Nein. Bei Verbraucherverträgen darf der Anbieter keine strengere Form als Textform verlangen, also genügt eine E-Mail. Ein Einschreiben ist nur ein Nachweis für den Zugang, keine Pflicht.
Weiter zu deinem Anbieter
Frist und Rechenweg kennst du jetzt. Die Anschrift und die Sonderregeln deines Anbieters findest du auf seiner eigenen Seite, zum Beispiel Vodafone, o2, FitX oder HUK-COBURG. Alle 68 Anbieter stehen in der Übersicht.
VertragsHeld erinnert dich automatisch 60, 7 und 3 Tage vor jeder Kündigungsfrist, per App und E-Mail. Dann musst du nicht jedes Mal neu rechnen.
Fristen im Blick behalten →Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.